Apropos Autismus: Zivildienst als Vermittlungsbrücke zurück in die Schule – ein neuer Weg im Umgang mit Schulabsentismus
In einer Zeit, in der Begriffe wie Filiuskratie – also die Herrschaft der Kinder über die familiären Entscheidungen – nicht mehr provokante Theorie, sondern gelebte Realität sind, lohnt sich ein kritischer Blick auf die zunehmende Problematik des Schulabsentismus. Besonders betroffen sind Kinder mit besonderen Bedürfnissen, die in einem fragilen Gleichgewicht zwischen Anspruch, Überforderung und somatischer Abwehr oszillieren.
Die gut gemeinte Einrichtung kleiner, spezialisierter Schulen für diese Kinder scheint oft ins Leere zu laufen. Lange Anfahrtswege, inhomogene Klassen und eine neue Umgebung, die ebenfalls als bedrohlich erlebt wird, führen nicht selten zum erneuten Abbruch. Regelklassen – mit entsprechender Begleitung – könnten oft die bessere Wahl sein. Doch der Zeitgeist wirkt dagegen. Einige Erzieher glauben, dass Kinder an einer neuen Krankheit leiden, nämlich: Ist das chronische Verweigerungssyndrom eine neue Krankheit? Natürlich nicht! Es handelt sich um ein Phänomen, das jetzt im Zuge der „Filiokratie“ sichtbar wird, weil es heutzutage möglich ist. Fragen Sie Personen über 30 Jahre, ob die Schulpflicht zu ihrer Zeit eine Option war!
Spätestens seit der COVID-Pandemie hat sich der Schulbesuch bei vielen älteren Kindern vom selbstverständlichen Alltag zur verhandelbaren Option verwandelt. Die Eltern erleben ihre Kinder als labil, anfällig für somatische Krisen – Fieber, Asthmaanfälle, Ohnmachtssymptome – sobald schulische Anforderungen auftauchen. Jede Intervention provoziert emotionale Eskalationen – Wutausbrüche, Meltdowns, Blockaden.
Max* schenkt mir eine solche Performance: Er schreit und verlässt die Praxis mit tränenden Augen, nachdem er die Tür zuschlägt – zum Glück verlässt er das Gebäude nicht. Auslöser: Die Mutter hat etwas »Falsches« gesagt.
Was bleibt, ist oft Resignation. Hilfe von außen – Familienbegleitungen, KESB, Spitex oder sogar Polizei – ist manchmal notwendig, aber selten nachhaltig.
Was fehlt? Ein Mediator.
Nicht in Form einer therapeutischen Figur, sondern als tägliche, ruhige, verlässliche Präsenz, die die Eltern entlastet, die mit dem Kind den Rückzug der Symptome abwartet. Und hier kommt eine innovative Idee ins Spiel: die gezielte Einbindung von jungen Zivildienstleistenden als schulische Mediatoren. Junge Menschen, die von Kindern gemocht werden, aber nicht in eine therapeutische oder elterliche Rolle schlüpfen. Ihr Auftrag: das Kind zur Schule begleiten – jeden Tag, zuverlässig, ohne Spiel, ohne Belohnung, ohne pädagogische „Tricks“. Keine Therapie, keine Medikamente, keine Eskalationen. Nur Präsenz. Klare Botschaft: Die Schule gehört zum Leben. Und wichtig: kein Gamen – weder allein noch gemeinsam – während der gesamten Unterrichtszeit.
Die Zivildienstleistenden als Wegbegleiter
Das Ziel ist nicht nur, das Kind „aus der Comfort Zone“ zu holen, sondern auch, ihm die Freude der Pflichten nahe zu bringen. Ein geregelter Alltag, soziale Eingebundenheit, Teilhabe – all das kann nicht zuhause am Bildschirm eingeübt werden. Homeschooling ist keine Lösung, sondern verschiebt das Problem in die Zukunft. Spätestens nach dem 10. Schuljahr ist man aus der Schule entlassen – ob man lesen und schreiben kann oder nicht. Denn was Hänschen nicht tut, wird Hans auch nicht tun. Die Kinder, die den Weg zur Schule nicht finden, finden keinen Weg zur Arbeit und sind «gezwungen», fern zu studieren, um zu reifen.
Ein strukturiertes Programm für Zivildienstleistende könnte beinhalten:
Die wichtigsten Merkmale dieser Funktion lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• Eine gezielte Schulung und Supervision für die Rolle als täglicher Begleiter.
• Enge Zusammenarbeit mit der Schule.
• Klare Rollenabgrenzung: keine therapeutischen Interventionen, kein Spielpartner.
• Kontinuität und Verlässlichkeit: Präsenz statt Worte.
Ein Pilotprojekt für die Gegenwart
Die Vision: junge Freiwillige bringen Kinder mit Schulverweigerung täglich zur Schule – freundlich, aber bestimmt. Und sie bleiben so lange an ihrer Seite, bis die Schulfrequenz wieder gesichert ist. Nicht als externe Helfer, sondern als Vermittler in einem System, das neue Wege braucht, um alte Werte wiederzubeleben.
Denn Bildung bleibt das Fundament. Und wenn der direkte Weg versperrt scheint, brauchen wir Brücken – gebaut aus Vertrauen, Präsenz und ein bisschen Zivilcourage.
Mediator Funktion
Schulvertreter
Eltern – Helfer
Kein Spiel,
Kein Gamen
Keine Therapie
Schulbegleitung
Kommt solange wie nötig
Kann wechseln
Rolle / Bereich Beschreibung
Funktion Vermittler zwischen Kind, Elternhaus und Schule – präsent, ruhig, konsequent
Anbindung Zusammenarbeit mit der Schule, Rücksprache mit schulischen Vertretern
Elternrolle Entlastung der Eltern, kein Übernehmen elterlicher oder erziehender Aufgaben
Keine Spiele Keine Interaktion in Form von Spiel, auch nicht als pädagogisches Mittel
Kein Gamen Keine Nutzung von digitalen Medien während der Schulzeit, weder passiv noch aktiv
Keine Therapie Kein therapeutisches oder psychologisches Angebot
Schulbegleitung Tägliche Begleitung zur Schule und zurück, Anwesenheit im schulnahen Umfeld
Dauer des Einsatzes So lange wie nötig, bis die Schulfrequenz stabil ist
Kontinuität Person kann bei Bedarf wechseln, aber Rolle und Haltung bleiben konstant
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