Ich werde gerne alt
Machen Sie es sich bequem, Frau Doktor,
keine Umstände bitte,
lassen Sie mich selber
meine Beschwerden auflisten.
Und noch mehr!
Ich will kein Hörgerät mehr tragen,
ich habe die Brille wieder verloren,
das Gebiss wackelt,
mehr als mein Blutdruck.
Bleibeine:
Das Nikotin hat sich
in mir gut verteilt!
Und noch mehr!
Ich sage nicht,
dass ich mit dem Herzinfarkt
gerechnet habe.
Jedoch, als ich die Brille
im Kühlschrank wiedergefunden habe,
erhofften wir eine Veränderung,
ich und der Geist meines Mannes.
Ich bin zum Verschrotten
wie meine alte Baracke,
trotzdem trage ich mir Sorge.
Motorische Autonomie?
Bis zum Garten und zurück, das schaffe ich!
Nein, ich bin nicht verrückt,
ich bin leichtsinnig, ich weiss es!
Ich will aber
neben meinen Tomaten umfallen!
Ich bin im Winter meines Lebens,
aber in meinem Garten
ist immer Frühling.
Von der Brise der Erinnerungen gestreichelt
lenke ich mich ab
nicht mit dem, was ich getan habe,
Weniges,
sondern von der Güte,
die ich bekommen habe.
Oft habe ich versagt,
ich hab keine Träume mehr,
jedoch einen Schatz voll Erfahrungen.
Ich zähle die Stunden,
ich gönne mir
alles,
was mir selbstverständlich erschien,
und auch ich, wie die Jugend heute,
habe damals alles anders gesehen.
Sie, so jung,
hören Sie auf zu notieren,
was ich nicht mehr kann!
Lassen Sie meine Seele nicht
in diesem unbefleckten Gefängnis erlöschen!
Sicherheit in der Stadt?
Wie viele bittere Tage
werde ich damit gewinnen?
Die Enkelin täglich sehen?
Sie trägt mein Lächeln –
dieses Verdienst genügt mir.
Sie müssen Massnahmen ergreifen,
nehmen Sie mir mein Entscheidungsrecht bitte nicht weg!
Ich werde gerne alt,
ich will nicht frühzeitig gehen,
wenn, denn als freie Frau,
von meinen Blumen umgeben,
hinüberwandeln!
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